
Erarbeitet auf der Vorstandsklausur Oktober 2025, Beschluss im November 2025
Der Kreisjugendring Siegen-Wittgenstein e.V. bekennt sich zu den Werten, die seit unserer Gründung 1948 unser Handeln bestimmen: Frieden, Völkerverständigung und der entschlossene Kampf gegen jede Form von Extremismus. Insbesondere sehen wir diese Maxime erfüllt seit dem Beginn unserer Jugendbegegnungen mit dem israelischen Partnerkreis Emek Hefer im Jahr 1966.
Unsere Partnerschaft mit Emek Hefer ist die älteste ihrer Art zwischen zwei Landkreisen in Deutschland und Israel. Sie wurde bewusst in einer Zeit ins Leben gerufen, in der Deutschland und Israel noch keine diplomatischen Beziehungen pflegten – getragen vom Willen zur Versöhnung und dem tiefen Bewusstsein historischer Verantwortung. Sie lebt seither von den Freundschaften der ehrenamtlichen Mitarbeitenden in Deutschland und Israel.
Seit dem terroristischen Angriff der Hamas und weiteren radikalen Gruppierungen auf Israel am 7. Oktober 2023 bezeugen wir unsere Solidarität mit unseren israelischen Partnern im Emek Hefer. Das Existenzrecht Israels ist für uns unverrückbar.
Wir sehen mit großer Sorge das immense Leid der Zivilbevölkerung in Gaza, die Gewalt im Westjordanland und die Eskalation der Gewalt in der gesamten Region. Unsere Verpflichtung zur Völkerverständigung endet nicht an Grenzen: Wir verurteilen jegliche Form von Gewalt, Terror und Hass, ganz gleich von wem sie ausgeht.
Wir verurteilen die von Siedlern im Westjordanland ausgehende Gewalt sowie den illegalen Siedlungsbau. Solidarität mit unseren Partnern auf zivilgesellschaftlicher Ebene bedeutet nicht, dass wir das Vorgehen oder die Politik der amtierenden, rechten und teilweise rechtsradikalen israelischen Regierung unter Ministerpräsident Netanjahu gutheißen. Wir wissen, dass große Teile der israelischen Bevölkerung die Regierungstaktik in Gaza ebenfalls kritisch sehen und dagegen wöchentlich protestieren.
Unsere Verbindung basiert auf der Ebene der Zivilgesellschaft, der direkten Begegnung von Menschen – sie ist eine Brücke der Menschlichkeit. Es ist unsere Aufgabe, diese Brücke aufrechtzuerhalten, um demokratische Werte, Toleranz und gegenseitigen Respekt zu vermitteln. Wir sind überzeugt: Die Menschen in Israel, die Menschen in Gaza und im Westjordanland haben ein gleiches Recht auf ein freies, selbstbestimmtes Leben in Sicherheit und Würde.
Der Anstieg des Antisemitismus, Rassismus und der Radikalisierung in Deutschland erfüllt uns mit großer Sorge. Unsere Jugendbegegnungsarbeit ist für uns ein entscheidender Beitrag im Kampf gegen Antisemitismus und Diskriminierung, sowie eine Stärkung von Vielfalt, Frieden und Demokratie.
Unsere historischen Wurzeln liegen in der Begegnung mit Israel, dies bedeutet nicht, dass wir parteiisch sind oder Gewalt und Hass gegen PalästinenserInnen tolerieren. Seit seit 2025 beziehen wir einen palästinensisch-arabischen Partner in Israel in unsere Arbeit ein. Das Ziel unserer Jugendbegegnungen ist es, jungen Menschen eine differenzierte Sichtweise auf komplexe Sachverhalte zu ermöglichen und sie dazu zu befähigen, sich auf Basis von Wissen und persönlicher Erfahrung eine eigene, kritische Meinung zu bilden. Wir nehmen Abstand von polarisierender Positionierung, die in diesem Jahrzehnte andauernden Kampf unmöglich ist und die Sichtweisen von beiden Zivilbevölkerungen unkenntlich macht. Wir kennen die Komplexität von Realität mit nebeneinander existierenden Narrativen an.
Wir stehen fest zu unserer Überzeugung: Unsere Jugendbegegnungsarbeit dient der Demokratieerziehung. Sie versetzt die Jugendlichen in Siegen-Wittgenstein in die Lage, die Komplexität des Nahostkonflikts zu erfassen und sich zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu entwickeln, die Antisemitismus, Diskriminierungen und allen Formen von Extremismus aktiv entgegentreten.